ADFC Sachsen und ADFC Dresden haben eine ausführliche Stellungnahme zur 4. Fortschreibung des Nahverkehrsplans für den Nahverkehrsraum Oberelbe abgegeben. Darin begrüßen wir zwar die geplante Weiterentwicklung von Bike+Ride und die stärkere Anerkennung des Fahrrads als Teil des Umweltverbundes. Gleichzeitig sehen wir an vielen Stellen noch deutlichen Nachholbedarf.
Ein leistungsfähiger öffentlicher Verkehr funktioniert aus unserer Sicht nur dann gut, wenn die gesamte Wegekette betrachtet wird. Das Fahrrad spielt dabei eine zentrale Rolle: als Zubringer zum Bahnhof, als Verkehrsmittel für die erste und letzte Meile und zunehmend auch in Kombination mit Bus und Bahn über längere Distanzen.
Mehr Radverkehr mitdenken
Der Entwurf des Nahverkehrsplans betrachtet die zukünftige Verkehrsentwicklung bislang vor allem aus der Perspektive der ÖPNV-Nachfrage. Die Veränderungen beim Rad- und Autoverkehr werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt.
Dabei hat der wachsende Radverkehr direkte Auswirkungen auf den öffentlichen Verkehr: Fahrräder und Pedelecs erweitern den Einzugsbereich von Haltepunkten, ersetzen kurze Autofahrten und ermöglichen neue Kombinationen aus Fahrrad und Bahn. Auch die Nachfrage nach Fahrradstellplätzen und Fahrradmitnahme lässt sich nur sinnvoll planen, wenn diese Entwicklungen gemeinsam betrachtet werden.
Wir fordern deshalb, den Radverkehr stärker als wesentlichen Einflussfaktor der zukünftigen ÖPNV-Nachfrage in die Verkehrsprognose einzubeziehen und aktuelle Daten, insbesondere des SrV 2023, zugrunde zu legen.
Bike+Ride muss deutlich stärker ausgebaut werden
Besonders wichtig ist uns eine deutliche Ausweitung hochwertiger Bike+Ride-Angebote. Bereits heute werden im Verbundgebiet werktäglich mehr Fahrten in Verbindung mit B+R als über P+R gezählt. Gleichzeitig bleibt der Ausbau gesicherter Fahrradabstellanlagen im Entwurf vergleichsweise unverbindlich.
Deshalb fordern wir unter anderem:
- verbindliche Ausbauziele für gesicherte Fahrradabstellanlagen,
- gesicherte und überdachte B+R-Angebote an geeigneten Stationen des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV),
- eine stärkere Priorisierung von B+R gegenüber neuen P+R-Angeboten,
- Radstationen an besonders wichtigen Verknüpfungspunkten,
- eine verbundweite Strategie für gesichertes Fahrradparken und
- eine bessere Berücksichtigung von Bikesharing bei der Bedarfsplanung.
Dabei geht es nicht nur um einzelne Stellplätze. Nutzerinnen und Nutzer brauchen ein verlässliches und möglichst einheitliches Angebot im gesamten Verkehrsverbund – mit nachvollziehbaren Nutzungsbedingungen, attraktiven Tarifen und perspektivisch möglichst einheitlichen Zugangs- und Bezahlsystemen.
Fahrradmitnahme: Kapazitäten ausbauen statt begrenzen
Positiv bewerten wir die geplante Ausweitung der Fahrradmitnahmekapazitäten im SPNV. Gerade angesichts steigender Pendlerzahlen und der zunehmenden Verbreitung von Pedelecs ist es wichtig, ausreichend Kapazitäten bereitzustellen.
Steigende Fahrradmitnahme sollte dabei nicht allein als betriebliche Herausforderung betrachtet werden. Sie ist auch ein Zeichen dafür, dass Menschen Fahrrad und ÖPNV zunehmend miteinander kombinieren.
Im straßengebundenen ÖPNV kann eine hohe Fahrradmitnahme zudem auf fehlende sichere Radwege oder Abstellmöglichkeiten an Haltestellen hinweisen. Wo Menschen ihr Fahrrad im Bus mitnehmen müssen, weil die Infrastruktur vor Ort Lücken aufweist, sollte dies auch als Hinweis auf notwendigen infrastrukturellen Handlungsbedarf verstanden werden.
Barrierefreie Zugänge auch für Fahrräder
Ein weiterer Schwerpunkt unserer Stellungnahme ist die Zugänglichkeit von Bahnhöfen und Haltepunkten.
Breite Treppen mit Schieberillen, ausreichend große Aufzüge und stufenlose Rampen sind für viele Radfahrende entscheidend – insbesondere für Menschen mit schwereren E-Bikes, Lastenrädern oder für Familien mit Kindern. Aufzüge allein reichen dafür nicht aus: Sie sind häufig klein, überlastet oder fallen aus.
Wir fordern deshalb, den gleichberechtigten Zugang mit Fahrrädern über Rampen oder Schieberillen als Regelstandard festzuschreiben. Auch während Bauarbeiten muss die Zugänglichkeit von Übergangsstellen gewährleistet bleiben.
Bikesharing und Fahrradparken gemeinsam denken
Auch die Weiterentwicklung des Bikesharing spielt für uns eine wichtige Rolle. Ein dichtes und verbundweit gut verknüpftes Bikesharing-Angebot kann die erste und letzte Meile ergänzen und damit dazu beitragen, dass nicht an jeder Station große Mengen an Fahrradabstellplätzen oder Fahrradmitnahmekapazitäten vorgehalten werden müssen.
Wir regen deshalb an, die Ausweitung des MOBIbike-Systems auf weitere Ober- und Mittelzentren im VVO aktiv zu unterstützen und Bikesharing stärker als Bestandteil der intermodalen Infrastrukturplanung zu berücksichtigen.
Unser Fazit
Der Entwurf des Nahverkehrsplans enthält wichtige Ansätze. Aus unserer Sicht muss die Verbindung von Fahrrad und öffentlichem Verkehr jedoch deutlich konsequenter weitergedacht werden.
Wir brauchen nicht nur mehr Busse und Bahnen, sondern funktionierende Wegeketten: mit sicheren Radwegen zu den Haltepunkten, ausreichend Fahrradstellplätzen, guten Zugängen zu den Bahnsteigen, genügend Fahrradmitnahmekapazitäten und einem attraktiven Bikesharing-Angebot.
Mit unserer gemeinsamen Stellungnahme wollen wir dazu beitragen, dass diese Anforderungen in der weiteren Überarbeitung des Nahverkehrsplans verbindlicher berücksichtigt werden.
Die vollständige Stellungnahme des ADFC Sachsen und des ADFC Dresden haben wir im Rahmen des Anhörungs- und Beteiligungsverfahrens beim Verkehrsverbund eingereicht.
Kontakt
Jonas Geyer, Referent Verkehrspolitik und Ehrenamtskoordination
Tel.: 0159 067 866 93
Mail: jonas.geyer@adfc-dresden.de