Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Dresden e. V.

Fehlplanung in Niedersedlitz: ADFC Dresden fordert bedarfsgerechte Fahrradstellplätze und Kostenwahrheit bei Verkehrsinvestitionen

Schmaler Fahrradbügel © ADFC
Pressemitteilung des ADFC Dresden e.V.
 
Am S-Bahn-Haltepunkt Dresden-Niedersedlitz plant die Landeshauptstadt Dresden aktuell den Bau einer neuen Park+Ride-Anlage sowie 48 zusätzliche Stellplätze für Fahrräder. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Dresden kritisiert diese Planung als unzureichend, überteuert und am realen Bedarf vorbei konzipiert. Während der Radverkehr bei den Umstiegswegen benachteiligt wird, ignoriert die Stadt zudem die eklatante Kosteneffizienz des Fahrrads gegenüber dem Auto.
 
Stadt ignoriert Potenzial von 237 Stellplätzen für Fahrräder
 
Mit derzeit 67 Fahrradstellplätzen erreicht der Haltepunkt Niedersedlitz in der aktuellen Bike&Ride-Studie des ADFC Sachsen nur Note 5. Die geplanten 48 zusätzlichen Plätze sind bei weitem nicht ausreichend. So würde der Haltepunkt lediglich auf Note 4 rutschen. Nach Analysen des ADFC besteht am Haltepunkt Niedersedlitz ein viel größeres Potenzial: Der ADFC hält 237 Fahrradstellplätze für notwendig und machbar – das entspricht rund 10 Prozent der Fahrgäste, die dort an einem normalen Wochentag in die S-Bahn steigen.
 
„Um in Niedersedlitz von der schlechten Note beim Fahrradparken herunterzukommen, muss die Stadt schon etwas mehr tun, als ein paar Fahrradständer aufzustellen“, betont Falk Schütze, Vorstandsmitglied des ADFC Dresden. „Am Haltepunkt steigen täglich tausende Menschen in die S-Bahn. Damit 10 Prozent von ihnen das Rad für den Weg zum Bahnhof nutzen können, müssten über 200 Stellplätze her. Mit den geplanten 48 neuen Fahrradständern plant die Stadt weit am tatsächlichen Bedarf der Bürgerinnen und Bürger vorbei.“ Auch das Argument des begrenzten Raumes lässt der ADFC nicht gelten: Durch den Einsatz moderner Doppelstockparker könnte die Stadt die Kapazität der Fahrradabstellanlagen sofort verdoppeln  ohne zusätzlichen Flächenverbrauch. Zudem müssen alle Stellplätze überdacht werden, die Planungen sehen dies teilweise nur als Option vor.
 
20.200 Euro pro Parklücke: ADFC kritisiert extreme Kosten für Pkw-Stellplätze
 
Besonders kritisch bewertet der ADFC das Missverhältnis bei den Investitionskosten im Vergleich zum Nutzen für die Allgemeinheit: Der Parkplatz für Pkw soll 20.200 Euro kosten pro geparktes Auto. Die Kosten für einen Fahrradstellplatz liegen hingegen bei nur ca. 2.900 Euro.
 
Für die Kosten eines einzigen Pkw-Stellplatzes lassen sich somit fast sieben Fahrradstellplätze errichten.  „In Zeiten knapper Kassen ist diese Planung unverantwortlich“, betont Schütze. „Jeder Euro, der in gut erreichbare Fahrradinfrastruktur investiert wird, bringt ein Vielfaches an Mobilität pro Fahrgast. Wenn ich sparsam und verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgehen will, sollte ich dort investieren, wo ich mit wenig Geld den größten Nutzen erreiche.“ sagt das Vorstandsmitglied abschließend.
 
Attraktivität durch kurze Wege: Fahrräder gehören ans Gleis
 
Neben der Anzahl fordert der ADFC Nachbesserungen bei der Platzierung der Fahrradständer. In der aktuellen Planung sind die Fahrradabstellplätze über 70 Meter vom S-Bahn-Gleis entfernt, während Pkw-Fahrern nur 25 Meter bis zum Bahnsteig laufen müssen. Um den Umstieg von Rad auf Bahn attraktiv zu machen, sollte aus Sicht des ADFC natürlich auch der Weg zum Bahnsteig nicht unnötig lang sein.
 
Die zwei Kernforderungen des ADFC Dresden:
1. Kapazität an den realen Bedarf anpassen: 240 Stellplätze am neuen B+R-Platz, um das Potenzial der begrenzten Fläche optimal zu nutzen.
2. Kurze Wege für den Umstieg: Platzierung der Fahrradstellplätze in direkter Nähe zum Bahnsteig, statt den Pkw-Verkehr bei den Gehdistanzen zu bevorzugen.
 
Hintergrund:
Die Stadtverwaltung plant schon seit Jahrzehnten, den Bahnhofvorplatz in Niedersedlitz umzugestalten. Der ADFC Dresden hat sich bereits am 7. September 2024 mit einer Stellungnahme zur Planung an den Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften gewandt.

Kontakt

Jonas Geyer, Referent Verkehrspolitik und Ehrenamtskoordination
T
el.: 0159 067 866 93
Mail: jonas.geyer@adfc-dresden.de

Bild von Jonas Geyer

Jonas Geyer

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