Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Dresden e. V.

Vision für Dresden

Die Sächsische Zeitung hat uns gefragt, ob wir eine Vision für Dresden im Jahr 2033 für eine Serie beitragen können. Hier ist der Beitrag, den unser Vorstandsmitglied Nils Larsen geschrieben hat. Der Text erschien am 14. Mai. Alle Visionen können hier lesen werden: https://www.saechsische.de/themen/visionen-fuer-dresden

Ich mag Radfahren. Es hält mich fit und hebt meine Laune. Außerdem ist es praktisch und schnell; in der Stadt ist man damit oft schneller am Ziel als mit jedem anderen Verkehrsmittel, gerade wenn man auch die Zeit zum Parken mit einbezieht. Fast jeder hat ein Fahrrad und Fahrräder sind für alle erschwinglich. Ich engagiere mich ehrenamtlich im ADFC, weil ich mir wünsche, dass mehr Leute diese Vorteile entdecken. Davon profitieren sogar diejenigen, die weiterhin nicht Rad fahren. Die gesellschaftlichen Vorteile sind erheblich. Radfahren ist platzsparend und effizient. Es senkt Kosten für Bau und Erhalt von Straßen sowie für das Gesundheitswesen und reduziert Staus. Die für ein Fahrrad – ob parkend oder fahrend – benötigte Fläche beträgt nur einen Bruchteil der Fläche eines Autos. Wenn mehr Menschen mit dem Rad statt mit dem Auto fahren, bleibt die gleiche Mobilität gewährleistet. Es werden Flächen frei, da die gleiche Anzahl an Parkplätzen viel weniger Platz benötigt und zusätzliche Fahrstreifen und Abbiegespuren überflüssig werden. Das gilt natürlich auch für teure Tunnel, Parkhäuser und Brücken. Die Ampel-Wartezeiten verkürzen sich, da Menschen, die mit dem Fahrrad statt mit dem Auto unterwegs sind, in einer Grünphase die Kreuzung schneller passieren können. Fahrräder brauchen weniger Platz und stehen dichter hintereinander. Dadurch wird der Verkehr schneller abgewickelt und andere Fahrtrichtungen erhalten früher Grün. Wo Kreuzungen mit weniger Fahrstreifen auskommen, verkürzen sich außerdem die sogenannten Räumzeiten zwischen den Phasen. Die nächste Richtung kann noch früher starten – davon profitieren alle, auch Autofahrer. Auch für die örtliche Wirtschaft ist ein höherer Radverkehrsanteil vorteilhaft. Radfahrer geben zwar pro Einkauf im Durchschnitt weniger aus, kommen dafür aber häufiger und sind treue Kunden. Sie kaufen lokal ein, etwa in der Innenstadt oder in den Stadtteilzentren, und tragen so zur Belebung dieser Bereiche bei.

In meiner Vision für das Jahr 2033 geht es den Dresdnerinnen und Dresdnern gesundheitlich besser, auch weil sie im Alltag häufiger das Fahrrad statt das Auto nutzen. Der Straßenlärm ist deutlich zurückgegangen. Während sich im Jahr 2023 laut der Kommunalen Bürgerumfrage noch 85 % der Bevölkerung durch Verkehrslärm stark oder eher stark belastet fühlten, spielt dieses Thema 2033 nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Wohn- und Luftqualität haben sich spürbar verbessert. Wer sich regelmäßig bewegt, ist seltener krank und fehlt weniger am Arbeitsplatz. Insgesamt ist die Stadt ruhiger, gesünder und lebenswerter geworden.

Auf dem Weg dorthin gibt es heute noch einige Hürden. In der Gegenwart ist Dresden leider die deutsche Fahrradunfall-Hauptstadt. Es ist wohl nicht ganz grundlos, dass sich viele Dresdnerinnen und Dresdner nicht trauen, das lückenhafte Radverkehrsnetz im Alltag zu nutzen. Viele Kreuzungen sind primär für die Bedürfnisse des Autoverkehrs geplant und nicht für die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Wichtigen Straßen wie Terrassenufer, Bautzner, Chemnitzer, Leipziger und Gerokstraße fehlen noch Radwege. Andere weisen deutliche Lücken auf, etwa die Güntzstraße, das Blauen Wunder oder die Grundstraße. Hinzu kommen gefährliche und unzeitgemäße Schutzstreifen, etwa auf der Bodenbacher oder der Fetscherstraße. Außerdem ist der Norden Dresdens mit der wachsenden Industrieansiedlung radverkehrlich weitgehend abgehängt.

Neben den infrastrukturellen Defiziten nehme ich auch die aktuelle Debattenkultur als Hindernis wahr. Mir fällt auf, dass populistische Positionen, die pauschal gegen den Radverkehr gerichtet sind, in Dresden durchaus Wirkung zeigen. Ich wünsche mir, dass stärker auf Fakten geachtet wird und dass lokale Medien weniger zugespitzt oder polarisierend berichten. Gleichzeitig sehe ich in der typischen Dresdner Mentalität eine Chance: Viele Menschen halten zunächst am Vertrauten fest, doch sobald sie die Verbesserungen im Alltag selbst erleben, wächst ihre Akzeptanz. Ich bin überzeugt, dass sich bewährende Lösungen so angenommen und schließlich verteidigt werden.

Im Jahr 2033 sind viele der heutigen Lücken geschlossen, und das Radverkehrsnetz ist zusammengewachsen. Menschen, die im Jahr 2026 noch skeptisch waren, nutzen das attraktive und durchgängige Netz selbstverständlich in ihrem Alltag. Die neue Carolabrücke wurde mit überarbeiteten Plänen realisiert und bietet statt zusätzlicher Fahrstreifen bequeme und direkte Anschlüsse an den Elberadweg. Dieser ist auf der Altstädter Seite im Bereich des Terrassenufers vollständig ausgebaut, ebenso ist die Lücke ab Altwachwitz in Richtung Pillnitz geschlossen. Die Radeburger Straße verfügt über Radwege und der Radschnellweg zwischen Bahnhof Neustadt und Klotzsche ist weitgehend fertiggestellt. Radrouten wie die Radroute Ost verbinden das Zentrum mit allen Himmelsrichtungen. Nicht zuletzt hat die verbesserte Infrastruktur zu weniger Frust, Ärger und Konflikten zwischen Verkehrsteilnehmern geführt: Kaum jemand benimmt sich noch aggressiv, gefährdend und riskant im Verkehr, sondern es herrscht ein freundliches, lebendiges und sicheres Gewusel auf Dresdens Straßen und Plätzen. Alle kommen sicher an ihr Ziel. Diese Vision motiviert mich, mich weiter einzubringen, unter anderem durch meine Mitarbeit beim ADFC.

Bild von Nils Larsen

Nils Larsen

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