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Albertstraße ReisezeitPressemitteilung des ADFC Dresden e.V. vom 16.01.2019

ADFC Dresden e.V. kritisiert Vorstoß der neuen Stadtratsmehrheit zur Albertstraße

Im Dezember 2018 haben die Bürgerfraktion sowie die Fraktionen der FDP und der CDU ihren ersten verkehrspolitischen Antrag nach dem Ende der rot-rot-grünen Mehrheit im Dresdner Stadtrat eingebracht. Ziel des Antrags ist es, im letzten Moment den Bau von Radfahrstreifen auf der Albertstraße zu verhindern. Die Anlage von Radfahrstreifen auf der Albertstraße geht auf einen einstimmigen Beschluss des Petitionsausschusses von 2011 zurück. Demnach sollte die Albertstraße rechts und links je 2 Meter breite Radfahrstreifen sowie eine direkte Anbindung an den Außenring des Albertplatzes erhalten. Eine Fahrspur vom Carola- zum Albertplatz sollte dafür wegfallen.

Wie die Stadtverwaltung den Stadträten zur letzten Sitzung des Bauausschusses im Januar zeigte, wird der Autoverkehr wegen der wegfallenden Spur lediglich eine einzige Sekunde langsamer. Doch das ficht die Räte von CDU, FDP, Bürgerfraktion und AfD offenbar nicht an. Sie stimmten im Bauausschuss und im Finanzausschuss gegen die seit über sieben Jahren geplanten Radfahrstreifen.

„Dass CDU, FDP, Bürgerfraktion und AfD die 2011 von allen Stadtratsfraktionen beschlossenen Radspuren nun zum Symbolprojekt der rot-rot-grüner Politik umdeuten, irritiert mich sehr.“ sagt Nils Larsen, Dresdner ADFC-Vorstand.

Eine Untersuchung des ADFC zeigt, dass der Radverkehr durch die Streifen auf derselben Strecke um 2:25 Minuten schneller wird (siehe Skizze): Während man mit dem Rad aktuell auf der vorgesehenen legalen Route vom Albertplatz über die Hauptstraße und Sarrasanistraße zum Carolaplatz ca. 3:52 Minuten braucht, verkürzt sich die Fahrzeit mit Radfahrstreifen auf ca. 1:27 Minuten. Autofahrer kostet das eine Sekunde.  „CDU, FDP, Bürgerfraktion und AfD sind dabei einen Fehler zu machen, denn was sie hier machen ist das Gegenteil von ihrer Ankündigung, neue, ideologiefreie Sachpolitik zu betreiben!“ zeigt sich ADFC-Vorstand Larsen verärgert.

Auf den ADFC gehen die Radfahrstreifen ursprünglich zurück. Der Verein hatte 2010 eine Petition für die Radfahrstreifen gestartet. 2011 kam der Bescheid der Stadtverwaltung, dass sich der Petitionsausschuss einstimmig auf einen Verkehrsversuch mit Radfahrstreifen auf der Alberstraße verständigt habe. Nach vielen Jahren des Wartens sollte im März 2019 endlich der Bau beginnen.

„Die Radfahrstreifen auf der Albertstraße sind ein Beispiel dafür, wie bürgerschaftliches Engagement den Radverkehr in der Stadt schneller, sicher und komfortabler machen kann. Es wird auch den Fußgängern in der Hauptstraße gut gefallen, wenn weniger Radfahrer dort fahren.“ Und so hofft Nils Larsen noch auf eine Wende in letzter Sekunde. „Ich kann es nicht fassen, dass ein so rundherum positives Projekt, wo es nur ‚Gewinner‘ und keine ‚Verlierer‘ gibt, ohne ein einziges Sachargument einfach weggewischt werden soll. Ich bin noch optimistisch, dass die Stadträte der CDU, FDP, Bürgerfraktion und AfD sich besinnen.“

Der Eilantrag der neuen Stadtratsmehrheit gegen die Radfahrstreifen auf der Albertstraße steht am 24. Januar im Stadtrat zur Abstimmung.

Hintergrund
Um aktuell vom Albertplatz zum Carolaplatz zu gelangen, müssen Radfahrende zurzeit auf die Hauptstraße ausweichen bzw. den schmalen und holprigen gemeinsamen Fuß- und Radweg nutzen. Beide Alternativen sind sehr konfliktträchtig und unattraktiv, denn Radfahrende dürfen hier teilweise nur mit Schrittgeschwindigkeit (maximal 6 bis 10 km/h) fahren. Gleichzeitig ist der Albertplatz seit Jahren ein Unfallschwerpunkt, die Verkehrsführung ist unübersichtlich und für Radfahrende unattraktiv. Eine Radspur auf der Albertstraße würde das Konfliktpotential deutlich verringern und Radfahrende deutlich zügiger vorankommen lassen.

Eine Untersuchung des ADFC Dresden zeigt, dass die Anlage von Radfahrstreifen auf der Albertstraße zu einer Zeitersparnis von zweieinhalb Minuten für den Radverkehr führen. Dem steht eine Sekunde Zeiteinbuße für den Autoverkehr entgegen. Der Bau eines Radstreifens auf der Albertstraße würde somit dazu führen, dass Radfahrende zwischen Albert- und Carolaplatz statt in 3:52 Minuten nur noch 1:27 Minute pro Fahrt benötigen würden.

Während der Autoverkehr auf der Albertstraße seit 2005 um 40% zurückgegangen ist, wird sie für den Radverkehr immer bedeutender. Der ADFC Dresden führte im Juni 2018 eine 18-stündige Radverkehrszählung an in Höhe der Archivstraße durch. Damals zählten die Vereinsmitglieder während dieses Zeitraumes 3.137 Radfahrende. Es ist damit zu rechnen, dass eine sichere Radverkehrsanlage auf der Albertstraße dazu führt, dass die Zahl der Radfahrenden dort deutlich steigt. Dieser Effekt sorgt auch dafür, dass weniger Menschen mit dem Rad durch die Hauptstraße fahren und die dort immer wieder beklagten Konflikte mit Fußgängern reduziert werden können.

Die Idee zur Anlage von Radfahrstreifen auf der Alberstraße geht zurück auf die im Jahr 2010 vom ADFC gestartete Petition „Auch Albert, Carola und Peter wollen Rad fahren“. Ziel der Petition waren durchgängige und sichere Radwege auf der Nord-Süd-Route zwischen Hauptbahnhof und Albertplatz. Nachdem der damals von der CDU und FDP dominierte Ausschuss den ADFC-Vorschlag einstimmig annahm, kündigte die Stadtverwaltung im März 2011 dem ADFC in einem Bescheid an, noch im selben Jahr mit der Markierung von Radfahrstreifen auf der Albertstraße zu beginnen. Dies sollte in einem Verkehrsversuch geschehen, um die Auswirkungen der neu organisierten Verkehrsführung zu testen. Andere Varianten der Verkehrsführung wurden bereits 2011 geprüft und verworfen.

Neben bereits umgesetzten Abschnitten auf der St. Petersburger Straße und an der Synagoge sollte nach vielen Jahren im März 2019 mit der Einrichtung von Radfahrstreifen auf der Albertstraße endlich ein wesentlicher Teil der Petition realisiert werden.

Grafik
Die Grafik im Anhang ist ein auf Befahrungen und Berechnungen des ADFC beruhender Mittelwert der Strecke zwischen Albertplatz und Carolaplatz im Vergleich zwischen Auto und Fahrrad sowie der aktuellen, offiziellen Führung des Radverkehrs und der geplanten Führung auf Radfahrstreifen.

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